40 Jahre Allmendhaus

 

40 Jahre Allmendhaus

Ein kleiner Abriss über den Anfang des Allmendhauses, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Er wurde erstellt anhand von Protokollauszügen (kursiv gedruckt), den ersten Ausgaben des Quart sowie vieler mündlicher Erzählungen.

Die Holzbaracke, vielen heutigen Quartierbewohnern noch bekannt, war der Vorläufer des Allmendhauses, hatte drei Räume und wurde in den 50er-Jahren von Franz Lachenmeier gebaut. Ende 1965 war dieses Heim vollständig überlastet.

Der Bruder von Franz, Richard Lachenmeier besprach mit Walter Hafner die Übernahme des Auftrags eines Neubaus. Dieser lehnte ab, diesen selber auszuführen, da er anderweitig beruflich ausgelastet war, sagte jedoch zu in der Baukommission mitzutun und schlug als Architekten Paul Berger und Jost Trueb vor. So kam das Ganze ins Rollen.

Am 17. Mai 1966 fand die erste Sitzung für das neue Pfarreiheim statt.

Laut Protokoll hatte Pfr. Christian Fehr den Vorsitz. Anwesend waren: Vikar Zimmermann, Richard Lachenmeier, Paul Berger, Robert Egli, Anton Maier, H. Widmer, F. Favre, Walter Hafner, F. Zahn, Jost Trueb, R. Ellenrieder und Frl. A. Rickli. Dr. P. Schibler liess sich entschuldigen.

Traktanden dieser Sitzung waren die Konstituierung der Baukommission, ein Bericht der bisherigen Vorkehrungen sowie die weitere Planung.

Als Präsident wird R. Lachenmeier gewählt, als Vize-Präsident W. Hafner. Alle in der Kommission gefassten Beschlüsse mussten der RKG unterbreitet und von dieser „abgesegnet“ werden.

Der Architektengemeinschaft Winter, Trueb und Ellenrieder wird die Planung übertragen. Sie sollen ein Vorprojekt nach folgenden Wünschen ausarbeiten:

* Das Haus soll durch Einfachheit und Zweckmässigkeit hervorstechen.

* Der Eingang sollte so gestaltet werden, dass er eine Art Foyer darstellt, um sich dort ungezwungen zu treffen.

* Die Räume und vor allem der Saal sollen so projektiert werden, dass sie der Pfarrei, die in ca. 20 Jahren doppelt so gross sein wird (!), immer und in jeder Beziehung dienen.

* Abwartswohnung, Requisitenraum, Mehrzweckzimmer (einfach eingerichteter Raum mit Wasseranschluss) sowie einige Räume im Untergeschoss für den Gruppenbetrieb der Jungwacht sollen vorgesehen werden.

In der 12. Sitzung vom 12. September 1968 wird als dringend befunden, möglichst bald einen Betriebsausschuss zu wählen.

Vorgeschlagen wurden folgende Mitglieder: Vikar Zimmermann, Peter Meier, Walter Hafner und Frau P. Gubler „muss eventl. wegen Wegzug ersetzt werden“ – wie es im Protokoll heisst. So wurde den Frau C. Kury vorgeschlagen, denn es schien den

Beteiligten wichtig, dass auch eine Frau mit dabei war (!!!! und das 1968 – alle Achtung – der Schreiberling).

Als Betriebsausschuss gewählt wurden Frau Kury sowie die Herren Meier und Hafner.

Die erste Sitzung des Betriebsausschuss fand am 30. September 1968, die letzte am 22. Mai 1969 statt.

In rund acht Monaten, in unzähligen Gesprächen und Sitzungen, wurden die Vorschläge des Ausschusse erarbeitet und ein abschliessender Bericht verfasst.

Der Anstieg der Mitgliederzahlen und die zunehmende Öffnung in vielen Belangen der Kirche, Papst Johannes XXIII, Konzil, neue Tendenzen in Österreich und Holland liessen die Beteiligten an eine entsprechende Entwicklung glauben. Daraus entstand ein attraktives modernes Konzept mit viel Positivem, Optimistischem und Menschenfreundlichem.

Das Allmendhaus sollte kein Pfarreiheim sein, sondern „ein Haus für Alle“, wie es auf Vorschlag von Pfr. Chr. Fehr genannt wurde. Kurz vor der Einweihung wurde mittels Kinderwettbewerb der Name „Allmendhaus“ erkoren.

Zur Publikation der Ideen der Betriebskommission sollten Quartierbulletins verteilt werden. Daraus entstand das Quart – das ja zeitgleich mit dem Allmendhaus auch seinen 40sten Geburtstag feiern kann.

Betriebsausschuss – erste Überlegungen (Auszüge aus dem abschliessenden Bericht von 1969)

Bis vor kurzem mussten die Basler Katholiken sich für ihre Rechte wehren. Dies führte zu einem engen Zusammenschluss der Katholiken.

Die Zeit ist gekommen, den Kampf für unsere Rechte durch den Dienst an der Gemeinschaft zu ersetzen. Mit dem Allmendhaus, dem ersten grösseren öffentlichen Bau im Quartier könnten Einwohnern wertvolle Dienste angeboten werden, ein Haus für alle wie: Pfarreiveranstaltungen, pfarreiliche Institutionen und Vereine, nichtpfarreiliche und auch nichtkatholische Anlässe, wobei dabei St. Markus zweifellos Vorrang hätte. Zuletzt ist auch Privaten und beliebigen Vereinen Gastrecht zu bieten.

Im „Markus-Leu“ vom 14. September 1968 wurde Folgendes publiziert: “Gemeinschaftslosigkeit, Einsamkeit und Langeweile sind Hauptursache vieler seelischer Erkrankungen und geistiger Verirrung unserer Zeit“.

Der Betriebsausschuss gewann daraus folgende Erkenntnis:

Grössere Veranstaltungen bringen die Leute wohl zusammen, aber nicht zu persönlicher Begegnung. Vor, nach und während geschlossener Anlässe muss darum die Möglichkeit bestehen, sich zusammenzusetzen und zu plaudern.

Daraus erfolgt der Vorschlag: in Eingangsnähe einen bevorzugten Raum zu schaffen, der den Hausbesuchern jeden Abend offen stehen müsste. Arbeitstitel dieses Raumes: „Café“. Dieser Raum sollte zum Angelpunkt des offenen Hauses werden.

Daraus entstand unser heutiges Käffeli.

Der Betriebsausschuss schlug noch weitere Räume und Aktivitäten vor:

* Spielsalon für die Jungen – um sie sinnvoll zu beschäftigen

* Öffentliche Veranstaltungen wie: Vorträge, Diskussionen, Filmvorführungen, Elternabende, Bastelzirkel, Kleider- und Schlittschuhbörse. Solche Anlässe werden heute vom Frauenforum, der katholischer Erwachsenenbildung und auch vom ELCH (Eltern Centrum Hirzbrunnen, das im Allmendhaus eingemietet ist) angeboten

* Kurse in Zusammenarbeit mit GGG, BFA, ACV (heute Coop) oder Migros

* Für ältere Bewohner: Jassecke, Teenachmittag, Altersturnen. Wird teilweise von 60 + mehr abgedeckt

* Kindernachmittage mit Bastel- und andern Kursen, Kinderhorts zur Entlastung der Mütter und Organisation von Aufgabenhilfen. Der ELCH bietet im Allmendhaus verschiedene Betreuungs- und Unterstützungsangebote an.

Eine Hauskommission sowie ein Hauswart sollen sich um den Betrieb im Allmendhaus kümmern.

Am 29./30. August 1970 erfolgen öffentliche Besichtigung und Einweihung des Allmendhauses.

Wie schon erwähnt, war es dem Betriebsausschuss ein Anliegen, die Ideen und Veranstaltungen zu publizieren. Aus dieser Idee entstand „unser“ Quart.

Im September 1970 wird das erste Quart herausgegeben, von den Kirchenvorständen St. Markus und St. Michael, wie auf der Zeitung zu lesen ist.

In der Quart-Ausgabe Nr. 1 ist Folgendes zu lesen:

Wozu ein Allmendhaus?......für alle.......... auch für Sie! Kommen auch Sie am 4. bis 6. September ans ................Allmendfest. Eintritt frei.

Das Programm kündet am Freitagabend von 20.15 – 01.00 Uhr eine Tanzparty an, mit dem Dixieland-Orchester „Th Jazz-Tone-Dry-Weepers“ sowie eine 5-Mann Beat-Band. Eintritt CHF 3.00, Getränke und Imbiss erhältlich.

Samstag und Sonntag (!) von 20.00 – 24.00 Uhr wurde ein Unterhaltungsabend geboten mit Ballet, Musikclown, Gitarren, Clairons, Trommler und Pfeiffern, Vreneli-Wettbewerb, Wirtschaftsbetrieb, Weinstube und Tanz.

Für die Kinder wurde am Sonntagnachmittag von 14.00 – 18.15 Uhr ein grosser Kindernachmittag durchgeführt mit Wettbewerb, Rutschbahn, Resslirytti, Glacestand und Gratiszvieri.

In derselben Ausgabe hiess es auch:

Unser Quartier wandelt sich. Wer baut was?

* Die evang.-ref. Kirche Basel einen Saal, Gottesdienstraum, drei Clubzimmer, Café mit Küche, Büros für Zentrumsleitung und Gemeindearbeiter.

* Pro Juventute Freizeiträume für die Jugend mit eigenem Jugendcafé

* Die Freizeitstiftung Bäumlihof Freizeiträume und Werkstätten für alle Lebensalter

* Markusgemeinde rund 50 Alterswohnungen

* Verein für Seelischkranke Wohnungen für geheilte Patienten der psychiatrischen Klinik

* Basler Frauenverein Kinderkrippe, Tagesheim, Kinderheim

* GGG Bibliothek und Lesesaal

* Verhandlungen mit dem Erziehungsdepartement über den Bau eines Schulhauses sind noch im Gang.

Wenn wir heute manchmal das Gefühl haben, es würden überall Löcher aufgerissen und an jeder Ecke werde gebaut, so erinnere man sich doch zurück an die oben erwähnte „gute alte Zeit“. Doch all diese Bauten haben viel zur Lebendigkeit unseres Quartiers beigetragen – ein durchaus positiver Aspekt.

Wie wichtig die Ökumene 1970 im Hirzbrunnenquartier war, zeigen die Beiträge in der Ausgabe Nr. 2 vom Dezember 1970

„Ferien mit St. Markus und St. Michael“ – unter dieser Rubrik werden gleichzeitig Skilager, Jungschar-Pfingstlager, Ferienwochen für Männer und Frauen, Sommerlager von St. Markus sowie Ski- und Sommerlager je für Mädchen und für Buben von St. Michael angepriesen.

Unter dieses Kapitel fällt auch der Aufruf im Quart Nr. 3 vom März 1971, der zum Zeitungs- und Altpapiersammeln aufruft. Unterschrieben von der Jungwacht St. Michael (W. Egli) und der Jugendgruppe St. Markus (P. Jegge).

Veranstaltungen

Beachtlich sind die im Quart veröffentlichten Veranstaltungen, welche damals in Quartier und Allmendhaus stattfanden. Ein paar wenige konnten sich bis in die heutigen Tage fortsetzen. Hier ein paar Beispiele damaliger Anlässe:

23.09.70 Quartier-Jassfest

28.10.70 „Immer mehr Rauschgift“ – Information und Diskussion im Allmendhaussaal

27.11.70 Fondueabend für alle Liebhaber

12.03.71 Fun-Club: Besichtigung der Strafanstalt

16.03.71 St. Markus „Wer mehr weiss kauft besser“ – Die Frau im Labyrinth des Warenangebotes. Vortrag der Präs. der Basler Konsumentenvereinigung.

19.03.71 GV WG im Heimatland

29.04.71 Grossratspräsident Eugen Keller plaudert über seine Tätigkeit und seine Erfahrungen.

Und heute?

Inzwischen sind die Jahre durchs Land gezogen, wie es so schön heisst.

Das Allmendhaus-Konzept wurde immer wieder mal den neuen Bedürfnissen angepasst. Neues kam dazu, Altes, das keinen Anklang mehr fand, wurde gestrichen. Dies hängt eng mit den Gewohnheiten der Quartierbewohner zusammen, die sich durch das riesige stadtweite Angebot an Unterhaltung und durch unserer Mobilität stark verändert haben.

Die Bezeichnung des für den Allmendhausbetrieb verantwortlichen Gremiums und auch deren Mitgliederzahl wechselte im Laufe der Zeit immer wieder einmal.

Aus der Pfarrei St. Michael wurde erst die Pfarrei St. Clara-St. Michael und später St. Clara, die Pfarrei fürs ganze Kleinbasel. Aus dem ehemaligen Pfarrhaus wurde ein Wohnhaus für zwei Familien, der Wohnort des Pfarrers ist längst nicht mehr vor Ort.

Neuer, jedoch nicht mehr ganz neu ist, dass regelmässig Mütter mit ihren Kindern und vereinzelt auch Väter regelmässig im Allmendhaus ein und ausgehen. Dies durch das Einmieten des ELCH (Elterncentrum Hirzbrunnen) sowie der Väter- und Mütterberatung. Durch den ELCH initiiert findet auch eine regelmässige Kinderbetreuung statt, so wie es die erste Betriebskommission 1969 als Idee formuliert hat.

Doch vieles ist auch geblieben:

Geblieben ist bestimmt das Allmendhaus als Ort der Begegnung für Pfarreimitglieder und Quartierbewohner, für die Kinderkleiderbörse, die monatlichen Zusammenkünfte von 60-und-mehr, den Teenachmittag oder die Adventsfeier des Frauenforums, als Treffpunkt für Sitzungen, Generalversammlungen und als Ort, der die Möglichkeit bietet ein Hobby zu pflegen wie Jodeln, Jassen, Tanzen, Adventsgestecke herstellen oder gemeinsames Schauen eines Fussballmatches auf Grossleinwand.

Geblieben ist das alljährliche Allmendfest, das immer gut besucht wird.

Geblieben ist das Käffeli, wenn auch nicht mehr so gut besucht wie wohl in den Anfängen. Geblieben ist der Hauswart, der es möglich macht, immer in ein sauberes, aufgeräumtes Haus zu kommen und der einem immer wieder mal kulinarisch verwöhnt, sei es am Fasnachtsbrunch, mit einer Metzgete oder einem feinen Fondue.

Geblieben ist die Hauskommission, die sich ums Haus kümmert und sich zusammen mit dem neu geschaffenen Quartierrat darum bemüht, das Haus und den Betrieb darin weiterhin aufrecht und lebendig zu halten.

Geblieben ist zum Glück auch die Freiwilligenarbeit aller, die immer wieder mithelfen etwas im und ums Haus zu organisieren. Ihnen allen sei an dieser Stelle ganz herzlich gedankt. Ohne sie alle würde das Haus so nicht funktionieren und auch keinen Sinn machen. Denn, wie sagten schon die ersten, die sich mit dem Allmendhaus und seinem Betrieb beschäftigten:

Wozu ein Allmendhaus?......... für alle ........ auch für Sie!